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Ein Rätsel besonderer Art ist die Serie "Der Fliegerteufel."
Im Zusatztext zu Band 2 habe ich (nach langen, sorgfältigen Recherchen)
zum Thema, wann und wie der Luftpirat erschienen sein könnte, geschrieben:
"Nicht nur der Anfang, auch das Ende der Serie ist von Rätseln
umgeben. So heißt es immer wieder, der Luftpirat sei im Jahre 1911
wegen des 1. Weltkriegs eingestellt worden. Der begann aber erst im Sommer
1914, und verboten wurde der Luftpirat (mit vielen anderen Heftserien)
von der militärischen Zensur sogar erst am 1.6.1916 - darüber
gibt es Unterlagen. Womit sich die Frage erhebt: warum hätte man
die Serie 1916 verbieten sollen, wenn sie schon seit fünf Jahren
weg vom Fenster war - zumal es bei diesen Verboten gar nicht um Inhalte,
sondern um den herrschenden Papiermangel ging. Den gleichen Wirrwarr gibt´s
übrigens auch beim "Fliegerteufel", wie der Verlag die
Serie beim zweiten Startversuch nannte. Das soll 1914 geschehen sein.
Aber bis Juni 1916 hätte der Verlag die Serie ja ohne weiteres unter
ihrem Originaltitel verkaufen können. Erst mit dem Verbot ergibt
die Umbenennung einen Sinn. Zwischen Jahresmitte und Jahresende 1916 blieb
genug Zeit, die vermutlich 22 Hefte "Fliegerteufel" in aller
Eile auf den Markt zu werfen - bis der "Fliegerteufel" in der
"1. Ergänzungsliste" ebenfalls verboten wurde."
Man sollte niemals versuchen, das Treiben dieser alten Verlage logisch
erklären zu wollen. Vergessen Sie also alles, was ich dazu geschrieben
habe - ich kenne die Wahrheit zwar immer noch nicht, aber auf jeden Fall
ist sie anders als von mir vermutet.
Am 28.8.2009 erreichte mich ein Brief von Wolfgang
Thadewald, in dem er schreibt:
"In Heft 2 spekulierst Du, daß der LP wohl 1916 eingestellt
wurde. Dann macht das für Dich Sinn. Andere Stimmen, die 1914 nennen,
hältst Du für nicht überzeugend. Das kann man so machen,
denn niemand hat Material, niemand kann es beweisen. Aber 1914 ist schon
richtig. Oder nein? Wer weiß? Oder doch, einer schon. Ich. "Der
Kunstwart und Kulturwart. Halbmonatsschau für Ausdruckskultur auf
allen Lebensgebieten", 27. Jahrgang 1913/1914, Nr. 17 vom Juni
1914, auf den Seiten 345-347 gibt es von Karl Will den kleinen
allgemeinen Artikel: "Jugendschriften unter falscher Flagge".
Zum Schluß gibt er einen stichwortartigen Überblick über
Serien jüngster Zeit. Und da kommt der kurze Satz DER LUFTPIRAT HAT
SEINEN NAMEN GEWECHSELT UND KOMMT ALS FLIEGERTEUFEL. Mehr nicht, aber
das reicht! Juni 1914! Das ist kein Vergucker! Nun darfst Du neu spekulieren!"
Worauf ich demütig mein Haupt neigte und mir meine drei "Fliegerteufel"
endlich mal ganz genau ansah. (Übrigens wurde Wolfgang Thadewalds
Entdeckung bisher noch nirgendwo publiziert - das ist sozusagen eine Exklusiv-Meldung!).
Irreführend ist natürlich die Formulierung "hat seinen
Namen gewechselt" - klingt so, als wäre der Fliegerteufel die
Fortsetzung vom Luftpiraten. Das ist er aber definitiv nicht: Unter diesem
neuen Serien-Titel erschienen eine Reihe von Luftpiraten-Romanen, die
ganz unverhohlen mit den alten Druckstöcken gedruckt wurden. Die
Titelbilder sind gleich, die Numerierung ist geändert - allerdings
nur äußerlich.
Nehmen wir als Beispiel den Fliegerteufel Band 10, "Die geraubte
Fürstentochter" - identisch mit dem Luftpiraten Band 74 (und
trotz des Titels ein Roman, der im Weltraum spielt).
Im Vergleich zu einem Luftpiraten wirkt der Fliegerteufel geradezu armselig:
Der Umschlag ist aus weitaus schlechterem Papier, das Logo ist einfallslos,
die Farben sind flauer, die Abbildung auf der Rückseite fehlt. Auch
die Kopfzeile mit dem sonst obligatorischen
Hinweis, daß jeder Band in sich geschlossen ist, hat man
weggelassen. Innerhalb
des Logos steht links die Band-Nummer, rechts der Preis: 10 Pfennig. Es
fehlt die beim Luftpiraten übliche Angabe "15 Heller".
(Siehe Frage im Kapitän Mors Journal).
Auf der ansonsten leeren Rückseite steht ganz unten die Angabe: "Druck
und Verlag: P. Lehmann G.m.b.H., Berlin".
Schlagen wir das Heft auf, dann haben wir einen ganz normalen Luftpiraten-Text
vor uns. Auf der letzten Seite des Textblocks finden wir dort sogar die
Erklärungen zu dem auf der Rückseite gar nicht abgedruckten
Bild des Weltenfahrzeugs. Ganz unten - weil im alten Druckstock so erhalten
- der Vermerk: "Verlag: Druck- und Verlags-Gesellschaft m.b.H., Berlin
SO. 16. DrucK: M. Lehmann, Berlin S. 14". Auf der vorletzten Seite
wird auf den nächsten Band hingewiesen: "Band 75: Der furchtbarste
Kampf des Luftpiraten". Und an den üblichen Stellen, z.B. auf
Seite 1 rechts unten steht der Druckvermerk: "Der Luftpirat 74"
- dem dann auch das Titelbild haargenau entspricht.
Ich werde mich hüten, jetzt irgendwas zu spekulieren. Mein Sohn sagte
spontan: "Das is´n Raubdruck!" Lassen wir das mal so dahingestellt.
Eines muß man über Berlin wissen: es war schon damals eine
sehr große Stadt. Postleitzahlen kannte man noch nicht - darum die
geläufigen Bezirksangaben S 14, SO 16 usw. Der Name "Lehmann"
war sehr häufig, und der zum "P." verkürzte Vorname
macht die Sache nicht leichter. Ohne nähere Angaben kann man sich
nach "Druck
und Verlag: P. Lehmann G.m.b.H., Berlin" in den Berliner
Adreßbüchern dumm und dämlich suchen. Aber
diese "Verlagsangabe"wurde auch anderswo vermerkt:
In dem Buch "Das Erbe Wolgasts" finden wir in der "Liste
der untergeistigen Literatur von 1914-1926" eine Aufstellung von
Heft-Serien und Reihen samt einem Schlüssel der einzelnen Verbote.
Unter den alphabetisch aufgelisteten Serientiteln steht da mit der Nr.
286:
"+ M16 "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff" -
Berlin S 14, H. M. Lehmann" ("+" bedeutet, daß die
Serie aufgrund eines speziellen Vertrags eingestampft wurde. M16 bedeutet:
"von der militärischen Zensur am 1.6.16 verboten"). Der
Fliegerteufel findet sich weiter vorne
unter der Nr. 98. "+ MI16 "Der Fliegerteufel" - Berlin,
P. Lehmann, G.m.b.H" (MI16 = 1. Ergänzungsliste von 1916).
Band 1 des Luftpiraten wurde als Fliegerteufel gedruckt, offenbar sogar
in zwei verschiedenen Ausgaben, (Cover in Farbe/Cover in schwarzweiß).
Alle nachfolgenden Hefte entstammten dem höheren Nummernbereich.
Und nun wäre es schön, wenn wir sie alle mal etwas näher
kennenlernen würden, inklusive dem, was sich auf ihren Rückseiten
befindet (soweit die noch erhalten sind), inklusive Werbung jeder Art,
abweichendem Preis usw. Vielleicht können wir dann gemeinsam dahinterkommen,
was es mit dem Fliegerteufel wirklich auf sich hat, von wann bis wann
er im Handel war usw.
Ich fange mal mit meinen drei Heften an.
Fliegerteufel Band 10: Die geraubte Fürstentochter
Innenvermerk: "Der Luftpirat 74". Textblock komplett inkl. Seite
32 mit der Legende zum Weltenfahrzeug und dem ursprünglichen Druck-
und Verlagshinweis. Rückseite: Vermerk am unteren Rand: "Druck
und Verlag: P. Lehmann G.m.b.H., Berlin", sonst leer.
Fliegerteufel
Band 15: Das Duell der lenkbaren Luftschiffe
Innenvermerk: "Der Luftpirat 79". Seite 32 ist leer. Rückseite:
Vermerk am unteren Rand: "Druck
und Verlag: P. Lehmann G.m.b.H., Berlin", sonst leer.
Fliegerteufel Band 16: Der Tempel in der Mondlandschaft Plato
Innenvermerk: "Der Luftpirat 80". Seite 32 ist leer. Rückseite:
Vermerk am unteren Rand: "Druck
und Verlag: P. Lehmann G.m.b.H., Berlin", sonst leer.
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