Heinz-Jürgen Ehrig war
ein "Komplettsammler" - er trug nicht einfach nur Bücher
zusammen, sondern er sammelte ein ganzes Genre: Utopie und Phantastik
in deutscher Sprache. In einem Zeitungs-Interview nannte er kurz vor
seinem Tode die Zahl von 130000 Einzelstücken. Das war aber nur
eine grobe Schätzung, die eher zu tief ausgefallen ist (Reporter
mögen nun mal konkrete Zahlen). Er ist nie dazu gekommen, seine
Sammlung auch nur annähernd komplett zu sortieren, geschweige denn,
alles zu zählen. Ich selbst bin mit dem Sortieren bis jetzt nicht
über die erzählende Literatur hinausgekommen. Ob ich es jemals
schaffen werde, das ganze andere Material auch nur zu
sichten, steht in den Sternen, vom Katalogisieren ganz zu schweigen.
Aber wenigstens mit der erzählenden Literatur in der Großen
Bibliothek sollte ich schon noch zurandekommen: Das sind doch nur
112 Regale.
Nur? Nun ja, der Rest füllt das ganze Haus, und das hat
327 m² Wohnfläche.
In den gerade erwähnten 112 Regalen habe ich die Autoren ganz demokratisch,
unabhängig von ihrer literarischen Bedeutung, nach dem Alphabet
sortiert. Ihre Werke sind nicht nach der äußeren Form voneinander
getrennt: Hefte, Bücher, Taschenbücher und Leihbücher
stehen friedlich nebeneinander. Auf diese Weise ergibt sich ein umfassender
Überblick über das Schaffen jedes einzelnen Autors - wie und
in welchen Verlagen seine Werke publiziert wurden und wer was davon
in welcher Form gegebenenfalls nachgedruckt hat. Das schafft verblüffende
Einblicke, denn so manches, was man offiziell zur Weltliteratur zählt,
erschien auch schon mal als sogenanntes Groschenheft. Die Suchlisten
meines Mannes (fast 2000 Titel allein bei den Vorkriegsbüchern)
werden zu gegebener Zeit das Bild noch vervollständigen.
Der riesige Bestand an "Groschenheften" aus drei Jahrhunderten
ist übrigens eine der Besonderheiten dieser Sammlung. Von den Bibliographen
wie auch von den Sammlern werden Romanhefte meist gar nicht erst wahrgenommen.
Nun mag man sich über die literarische Bedeutung eines Gruselheftes
streiten - es ist und bleibt trotzdem Teil unserer Kultur, und manch
heute hochangesehener Autor wurde zu seinen Lebzeiten auch nicht besser
eingestuft. Gut erhaltene Romanhefte zählen außerdem oft
schon nach wenigen Jahrzehnten zu den gesuchten Raritäten.
Fast drei
Jahre Vorarbeit lagen bereits hinter mir, als ich mich im September
2006 endlich an die Erstellung einer Bestandsliste begeben konnte. An
der arbeite ich mich jetzt entlang und fülle die dürren Zeilen
mit bibliographischen Daten auf. Aber Daten allein können ein Buch
(noch dazu ein utopisch-phantastisches) nur unzureichend beschreiben:
zu sehr lebt dieses Genre von den Bildern auf den Einbänden und
Schutzumschlägen. Außerdem ist nicht nur das Genre an sich
von Phantasie und Einfallsreichtum geprägt - die Sammler und Bibliographen
sind es mitunter auch. Da stehen oft so herrlich verlockende Vorankündigungen
des Verlags auf der Rückseite eines alten Heftes oder Buches -
die nimmt ein gewissenhafter Sammler selbstverständlich erstmal
in seine Suchliste hinein, selbst wenn er sich ziemlich sicher ist,
daß einige der Titel nie erschienen sind. Wird ein Buch lange
genug gesucht, so beginnt es auf zauberhafte Weise gleichsam zu existieren.
Ein Bibliograph nimmt´s in gutem Glauben in sein Werk hinein,
andere Bibliographen ziehen nach, und damit wird die Sache pathologisch.
So manches nicht existierende Buch und nie gedruckte Heft geistern schon
seit Jahrzehnten durch die Szene und sind einfach nicht totzukriegen.
Es ist schwer zu beweisen, daß ein Buch oder ein Heft nicht
existiert. Und darum sind Bestandskataloge - ehrlich
geführte Kataloge von Bibliotheken und Sammlern aller
Genres - so wichtig. Noch besser ist es natürlich, wenn man die
Existenz strittiger Titel zusätzlich mit Abbildungen belegen kann.
Darum liegt jedem Heft meines Katalogs eine
CD bei, auf der alle in der Sammlung enthaltenen Bücher und Hefte
mit meist mehreren Bildern vertreten sind. Die Abbildungen enthalten
eine Fülle zusätzlicher Informationen, von denen sich viele
schriftlich nur schwer vermitteln lassen - "blaues Leinen mit Titel-Vignette"
trifft z.B. meist nicht das, was man eigentlich meint. Die Original-Preise,
Informationen über die Autoren und über die Inhalte, Vorankündigungen
aus den Verlagsprogrammen sowie interessante Werbeseiten aus allen Zeiten
ergänzen das Gesamtbild. Die CDs sind damit nicht nur interessante
"Bilderbücher", sondern auch ein Stück Zeitgeschichte.
Und natürlich sind sie auch für Sammler interessant. Die Chance,
ein Buch zu finden, ist um so größer, je besser man weiß,
wie es aussieht - von vorne und von hinten, mit und ohne Schutzumschlag.
Aber der
eigentliche Sinn des Katalogs besteht natürlich darin, diese einzigartige
Sammlung zu dokumentieren. Mein Mann kannte
nicht nur unglaublich viele Bücher (er war nur höchst selten
ohne Buch in der Hand anzutreffen und las, wo immer er saß oder
stand), sondern er wußte auch unheimlich viel über die Autoren,
über die Verlage, über Intrigen, Verflechtungen und politische
Hintergründe (siehe hier).
Er hat im Laufe der Jahrzehnte in unzähligen Fanzines seine Spuren
hinterlassen, hat Vorträge gehalten und jeden, der ihn fragte,
bereitwillig an seinem Wissen teilhaben lassen. Aber sein wichtigstes
Vermächtnis ist und bleibt die Zusammenstellung
all der Materialien, die er zu seiner Sammlung formte.
Einen Katalog
zu schreiben, ist eine
Sache - dafür braucht man nur eine Menge Zeit
und Ausdauer. Ihn unter die Leute zu bringen, ist etwas ganz anderes.
Schon allein die Daten für die erzählende Literatur dürften
nach meiner Schätzung rund 3000 Seiten füllen. So etwas macht
sich als Buch etwas schwer in der Hand, und ich glaube nicht, daß
ich einen Verlag dafür finden würde. Also verarbeite ich je
60 Seiten zu einem Heft. Das drucke, falze und klammere ich selbst, immer
strikt nur nach Bedarf und auf Bestellung - was nebenbei bemerkt den großen
Vorteil hat, daß ich keine Schulden bei irgendeiner Druckerei habe
und nicht auf unverkauften Auflagen sitze, die ich irgendwann notgedrungen
verramschen müßte.
Die Sammlung Ehrig
ist, wie der große Jules Verne Sammler Wolfgang Thadewald so schön
sagte, "ein einzigartiger kulturhistorischer Schatz." Ich werde
diesen Schatz nicht für die Ewigkeit bewahren können (wer könnte
das schon?), aber ich kann mit dem Katalog dafür sorgen, daß
die Sammlung nachvollziehbar bleibt. Sie
wird auf diese Weise gewissermaßen jedem zugänglich. Denn die
meisten dieser Bücher und Hefte sind ja keineswegs selten und auch
nicht unerschwinglich. Viele von ihnen sind durchaus erreichbar, oft sogar
über die öffentlichen Bibliotheken. Und bei dem kleinen Rest
ist es doch immerhin interessant, wenigstens erstmal zu wissen, wie sie
aussehen, diese berühmten alten Schwarten von 1700-und-ein-paar-Zerknödelten.
Nun werden
und wurden Bücher ja immerhin aufgehoben. Bei
Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen sieht das schon
anders aus - dort schlummern Texte, an die man normalerweise
nie herankommt. Und es gibt Leute, die sich bemühen,
ein bißchen kulturellen Artenschutz zu betreiben.
Mit viel Idealismus bringen sie wahre Perlen ans Licht.
Einer dieser Idealisten ist Gerd-Michael Rose.
Er gibt ein Magazin heraus, in dem er solche alten, vergessenen
utopisch-phantastischen Geschichten nachdruckt.
Dieses Magazin heißt "Der Uparchäologe",
und wenn Sie mehr
darüber wissen möchten: hier
klicken. Informationen über
seine Heftreihe Buntes Abenteuer
gibt es auf seiner
TES-Homepage
Ebenfalls auf der Spur unserer Altvorderen wandelt
Dieter von Reeken. Er gibt die DvR-Buchreihe
heraus,
mit Neuausgaben alter Utopien, aber auch mit Büchern
über dieses Genre und die Leute, die
sich damit befassen,
wie z.B. eine Reihe über uralte Groschenhefte
von Heinz-Jürgen
Galle, oder ein Buch von Rainer Eisfeld
über die Entwicklung der SF-Szene:
"Die Zukunft in der Tasche", oder den
ersten aller Marsromane, "Jenseits des Zodiakus"
von Percy Greg, aus
dem Jahre 1880.
Zur Zeit erscheint in der DvR-Buchreihe die
"Kollektion Laßwitz"
Alles - wirklich ALLES - von Kurd Laßwitz: Romane, Erzählungen,
Gedichte, Sachbücher, Vorträge, Aufsätze, kurzum:
Laßwitz komplett.
Näheres unter: www.dieter-von-reeken.de
Informationen für Comic-Fans - wo´s ja auch
oft sehr phantastisch zu geht - finden sich bei
www.szene-whatcher.de
Dort findet sich auch eine tolle Besprechung meines
Bestandskatalogs.
Für Freunde der Düsternis, des Grauens und des
zähneklappernden Wahnsinns empfiehlt sich ein Besuch im
"Haus der Fantastik" auf www.festa-verlag.de
Utopisches Getier, tolle Monster und sonstige Geschöpfe der sonderbaren
Art gibt´s auf der Homepage
von Christian Wassner.
Eine funkelnagelneue SF-Fantasy-Serie und viele andere schöne Dinge
gibt es beim Fabylon-Verlag,
dem Verlag mit dem Faible fürs Fabelhafte.
Interessant und wichtig: Ein-Blick in die Welt von morgen bietet
Das Buch der Synergie
von Achmed A. W. Khammas
mit vielen faszinierenden Informationen,
z.B. zum Thema Wind-Energie
(siehe auch Seite
der Abonnauten)
Allerlei Interessantes aus der SF-Szene insbesondere
der früheren Ostblock-Staaten,
Verkaufslisten
und vieles andere mehr gibt es bei Ivo
Gloss
Informationen, Interviews und Tips zum Genre Utopie und Phantastik gibt
es auf www.fictionfantasy.de
Sehr interessant, mit vielen Rezensionen:
Der Phantastische
Bücherbrief
von Erik Schneider
der - hört, hört - die Meinung vertritt,
daß ich meinen Bestandskatalog
- gemessen am Inhalt -
viel zu billig verkaufe (und damit hat er recht).
Einen speziellen Bücherbrief über die Villa Galactica
findet man hier.
Allerlei Lesenswertes zu kosmischen Themen der unterschiedlichsten Art
inkl. diverser SF-Heft- & TV-Serien,
Geschichten, Bilder, Video-Animationen und vieles andere mehr
gibt es in Charlys Phantastik
Café
- zum Besichtigen, Stöbern und Lesen.
Mittlerweile im 34. Jahrgang angekommen
und immer noch frisch, munter, spritzig, erfreulich kritisch:
Das Fanzine SF-Notizen
(Stand am 16.6.08: Nr. 646 = Nr. 11/2008)
von Kurt S Denkena
erhältlich unter:
e-mail: Kurt.Denkena@superkabel.de
oder: Postfach 760 318
28733 Bremen
Eine Spezialsammlung zum Thema
Zeitreisen und Alternativ-Welten
findet sich im Kuhseum
- einer Homepage, die Spaß macht,
und die natürlich auch was mit Kühen zu tun hat.
Wußten Sie, daß wir auch in der BRD
schon Rundfunkpiraten hatten?
Es gibt tolle Sachen rund um die SF,
mitunter auch sowas wie gelebte Utopie:
Herrmann
Hoffmann, der Schöpfer von "Sender
Radio Zitrone"
und so herrlicher Songs wie z.B.
Das ist ein Marsmensch aus dem
All
hat ein umfangreiches Erbe an alten Tonbändern hinterlassen. Begeisterte
Fans haben sich daran gemacht,
all das zu restaurieren und zu digitalisieren.
Einfach mal reinlesen und reinhören.
Tolle XP-Bootskins zum Freedownload darunter viele SF-Motive
(und 3 Wolkenfotos
von mir, räusper...)
gibt es bei Reinhard Gross unter
bootskin.gross.de und gropull.wincustomize.com
Orion-Fans ("Raumpatrouille") sollten schleunigst mal einen
Besuch in Helgas
galaktischen Funkbude einplanen - da gibt´s allerlei interessante
Informationen.
Vielerlei bildschöne SF- und Fantasy Graphiken gibt´s zu bewundern
im Sternenportal
"Agenta Irmina Kowa ermittelt
in der Megapoplis Ruhplatt im Auftrag Erdas!"
Solche und andere skurrile Geschichten gibt´s im Angebot der
fantastic episodes - siehe dazu
auch den Blog von
Harald Giersche
Jede Menge aktuelle Nachrichten aus allen
Bereichen des Genres findet man im Zauberspiegel,
der sich keinewegs nur mit Fantasy beschäftigt.
Eine ganz und gar ungewöhnliche Sammlung entsteht in
Neu-Ulm. Dort hat sich Tommi Brem auf einen Lese-Marathon
begeben: innerhalb von 25 Jahren will er eine wirklich große
Sammlung utopischer Bücher aufbauen, die er alle selbst
(und nicht etwa nur "quer") gelesen hat. Auf seiner Homepage
www.houdinination.com finden
sich viele interessante
Informationen über Inhalte, Autoren, Zeichner und alles, was
sonst noch dazugehört.
"Kill, Pussy, kill"
und andere abgefahrene Geschichten
unter dem Motto
"Manchmal denke ich, deshalb könnte ich
sein"
sowie viele schöne Bilder gibt es bei
Alex Dolezal
(Fast) Alles zum Thema Comics
gibt´s bei der der Interessen-Gemeinschaft Comic-Strips
INCOS
Für
Graham Masterton-Fans lohnt sich übrigens auch die Jagd
auf die ersten 25 Bände der 2. Auflage von John Sinclair:
auf den Mittelseiten hat der Bastei-Verlag dort den Roman
"Das Haus der Bestie" abgedruckt. Leider ist die Übersetzung
nicht besonders gelungen (um´s mal ganz vorsichtig
auszudrücken). Das mag dazu geführt haben, daß das Echo
der Leser nicht unbedingt euphorisch ausfiel. Und so fiel denn
das eigentlich geplante und angekündigte Taschenbuch
ins Wasser. Bei Amazon steht´s trotzdem drin, mit allen
für den Buchhandel erforderlichen Daten: Broschiert,
Verlag: Luebbe Verlagsgruppe (Juli 1980), ISBN-10: 3404700252,
ISBN-13: 978-3404700257, samt einer Kunden-Rezension.
Als ich 2006 danach suchte, stand sogar noch
ein Preis dabei...
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